Liebe Dharmafreundin, lieber Dharmafreund,

 

wir freuen uns über Ihr Interesse am Rang Rig Retreat. In seiner jetzigen Form geht es im wesentlichen auf zwei Quellen zurück. Die eine ist das sogenannte Enlightenment Intensive, das obwohl auf östliche Einflüsse zurückgehend, durchaus als westlicher Weg zur Erleuchtung bezeichnet werden kann.

Dieses dem Zen-Sesshin verwandte Exerzitium hat einige einzigartige Beiträge geleistet, um die uralte Kontemplation der Frage „Wer bin ich?“ westlichen Menschen, die inmitten der vielfältigen Ansprüche des modernen Lebens ihr Wahres Sein befreien wollen, zu vermitteln. Wie dies im einzelnen erreicht wird, können Sie in dem beigelegten Nachdruck eines Artikels aus der Zeitschrift Dao  4/92 nachlesen. Entwickelt wurde es von dem zeitgenössischen Meister des Sahajia-Yogas Yogeshwar Mouni. Dies deutet bereits auf eine Verwandtschaft zur Dzogchen-Meditation hin, denn die tibetischen Mahamudra- und Dzogchenpraktiken gehen auf den  indischen Sahajia- bzw. Ati-Yoga zurück, den Weg der spontanen Vollendung.

Auf die große inhaltliche und methodische Übereinstimmung des Enlightenment Intensives mit der Trekchöd-Meditation der tibetischen Dzogchentradition haben mich verschiedene tibetische Meister wie Tulku Urgyen Rinpoche, Chimed Rigzin Rinpoche,  und Lopön Tenzin Namdak Rinpoche hingewiesen. So wurde im Lauf der Jahre dieses Exerzitium mehr und mehr in Übereinstimmung mit der tibetischen Überlieferung als  2.Quelle durchgeführt, denn diese hat eine 1.500 Jahre alte Praxis dieser besonders wirkungsvollen Kontemplation. Auf diesen Erfahrungsschatz zurückgreifen zu können, betrachte ich als Privileg, denn es eröffnet noch weitere Dimensionen, insbesondere bei der Integration in den Alltag.

 Dennoch ist das Rang Rig-Retreat immer noch ein geistig nach allen Seiten offenes Exerzitium geblieben und bietet jedem die Gelegenheit, völlig vorurteilslos und ohne sich an religiöse Traditionen oder Vorgaben binden zu müssen, die ureigene Wahrheit zu suchen und zu finden. Dies entspricht  auch der  buddhistischen Tradition: Dzogchen oder die Große Vollendung ist nur die wahre Natur jeden Individuums und keine Religion, auch in Tibet wurde es sowohl von Buddhisten wie Bön geübt und wesentliche Elemente finden sich vom Kaschmir-Shaivismus bis zum Zen wieder. Dies kann eigentlich nicht verwundern, denn wenn es so etwas wie die absolute, unbedingte Wahrheit überhaupt gibt, muß sie unter allen Umständen auch immer die gleiche sein. Wen nimmt es da Wunder, wenn die Methoden, die zu dieser Erkenntnis führen, sich gleichen. Ich hoffe, daß Sie die den folgenden Artikel inspirierend finden

Karl Scherer

«Alles ist Erleuchtung, und Wer bist Du?»

 Das Enlightenment Intensive als westlicher Weg der Erleuchtung

(DAO - Magazin fernöstlicher Lebenskunst, Ausgabe: September/Oktober 1992)

  Was ist Erleuchtung?

Vom Anbeginn der Menschheit an stellt sich der Mensch gleichzeitig mit der Entwicklung des Bewußtseins die Sinnfragen “Wer bin ich - Woher komme ich - Wohin gehe ich?“Die ältesten Schriften der Menschheit beschäftigen sich allesamt mit religiösen Themen, wie der Frage nach Leben und Tod. Wieder und wieder wird betont, daß deren Inhalt nicht erfunden, sondern durch eine direkte Vereinigung mit dem Göttlichen oder der absoluten Wahrheit inspiriert wurde. Erleuchtung ist dieser Zustand des meist nur zeitweis - Eins-Seins mit dem Absoluten. Die Wahrheit offenbart sich, indem man selbst zur Wahrheit wird. "ISTIGKEIT ist mein Geschäft", sagte der Mystiker des Mittelalters, Meister Eckehart

Tatsächlich ist die sogenannte Erleuchtung nichts Fremdes, das erst herbeigezaubert und uns einverleibt werden muß, sondern die Wiederent-deckung unseres ,,Urzustandes“. So sagt eine der ältesten tibetischen Schriften:

,,In diesem Zustand des Absoluten und direkten Gewahrseins der Natur des Seins zu verweilen, ist der natürliche Urzustand.“

Sinn und Ziel aller spirituellen Tradition war diese Erfahrung des Eins-Seins mit dem Absoluten. In ihr lösen sich alle verborgenen Widersprüche des Lebens auf und der leidvolle Kreislauf aus Erinnerung an die Vergangenheit und Hoffnungen und Befürchtungen für die Zukunft kommt zum Ende. Denn ,,Die Wahrheit macht Euch frei“, wie die Bibel sagt. (Joh. 8, 32)

Wer ganz eins mit jeder augenblicklichen Erfahrung ist, sieht die Dinge, wie sie wirklich sind: Klar, scharf und offen - und meistens nicht so schrecklich, wie unsere Vorstellungen von Ihnen.  Die Offenheit aller Phänomene wird erkannt und befreit von Standpunkten, Interpretationen und Anhaftungen.

So sagt der erste Karmapa:

"Die Wahrheit ist Jenseits aller Gegensätze wie Ja oder Nein, Erscheinung oder Wirklichkeit."

Und sein Meister Gampopa führt aus:

"Die Natur des Geistes und die Natur der Dinge sind eins, ...............
und du wirst mit dem Verstehen der Natur des Geistes unweigerlich die Natur aller Dinge verstehen."

 Leider ist das Wort ,,Erleuchtung“ so sehr mit Erwartungen und Vorstellungen überfrachtet, daß wir es vorziehen, hier von der ,,direkten Erfahrung der Wahrheit“ zu sprechen. Auch wenn die direkte Erfahrung der Wahrheit das Sinnen und Trachten aller mystischen Traditionen der Menschheit ist, ist das Resultat kein esoterisches Abheben, sondern die Dinge so zu sehen, wie sie wirklich sind. So verärgerte der erste Patriarch des Zenbuddhismus, Bodhidharma, den chinesischen Kaiser, als er auf dessen Frage nach der höchsten Wahrheit lapidar antwortete:

,,Unbegrenzte Offenheit und keine Spur von heilig.“

 Die direkte Erfahrung der Wahrheit führt zum Leidwesen der religiösen Besserwisser und ideologischen Sektierer, auch zu einer spirituellen Emanzipation des Individuums.

„Dieses EINE erkennen heißt ALLES erkennen. Das genügt." postulierte deahalb auch Meister Padmasambhava kühn, denn häufig bewirkt die direkte Erfahrung des Absoluten einen wahrhaftig universellen Einblick in die Wahrheit aller Traditionen. Daraus entsteht ein Gefühl allumfassender Liebe sowie ein ,,nichts ausgrenzendes Mitgefühl“ für alle Wesen!

 Ein weiteres Problem mit der Erleuchtung ist, daß sie immer das Resultat eines Verschmelzens mit dem Absoluten ist - also eine völlig und ausschließlich subjektive Erfahrung. Eine Erfahrung sogar, die der ganzen Welt jede Objektivität aberkennt, weshalb einige schwärmerische Idealisten in Indien schon einmal gern von dieser Welt als ,,Maya“ oder Schein redeten.

 Wenn auch moderne Mitteleuropäer dies kaum mehr bewusst wahrnehmen – ausser als instinktive Ablehnung die „Erleuchtung“ als ihr eigenes Potential anzusehen oder auch als automatische Ironie vor solch „grössenwahnsinnigen Ideen“ - , ist ein weiteres Problem dieses, daß es in der jüdisch-christlichen und auch in der islamischen Tradition des Monotheismus ein starkes Tabu gegen die Erfahrung der Einheit mit dem Absoluten gibt.

Im jüdischen Kodex ist die gegenstandslose Kontemplation - also auf das undenkbare Absolute - ausdrücklich verboten. Im Christentum, wie im Islam gab es zwar einige idealisierte Mystiker, die weit entfernt von menschlichem Zugriff als Heilige auf Podeste gestellt wurden. Die Mehrzahl der Mystiker wurde jedoch als Häretiker verbrannt oder bestenfalls verfolgt, wie etwa Meister Eckehart, der diese Einheit mit dem Absoluten als unsere Wahre Natur so beschrieb : 

 „ Die göttliche Natur ist Eins, und jede Person ist auch Eins und ist dasselbe Eine, das die Natur ist. Der Unterschied zwischen Sein und Wesenheit wird als Eins gefaßt und ist Eins. Erst da, wo es nicht in sich verhält, da empfängt, besitzt und ergibt es Unterschied. Darum: Im Einen findet man Gott, und Eins muß der werden, der Gott finden soll.

Kein geeigneter sozialer Hintergrund um normalen Menschen begreiflich zu machen, daß ,,die direkte Erfahrung der Wahrheit“ ungeheuer tiefwirkend für jeden Augenblick ihres Alltaglebens ist und für ,,Jedermann“ aktuell ist. Eine weitere Frage die viele beschäftigt ist die, welche Methode zu dieser Erfahrung führt - und ob diese gleichwertig sein können? Tatsächlich ist es so, wenn man die Berichte früher und zeitgenössischer Meister aufmerksam liest, dass sie alle kurz vor der ersten, oft als Durchbruch erlebten, direkten Erfahrung ihrer erleuchteten Natur mehr oder weniger übereinstimmend die gleichen Schritte gingen:

Sie gaben alles Greifen und Begreifen, genauso wie alle Versuch diese Erfahrung erzwingen zu wollen ohne Resignation auf – und waren dann unresigniert immer noch ganz wach und gewahr, völlig dafür offen, die Wahrheit, was immer sie auch sein mag, so zu erfahren wie sie wirklich ist.

Wenn es so etwas wie eine ,,direkte Erfahrung der absoluten Wahrheit“ oder „Erleuchtung“ wirklich gibt - und wie gesagt können wir nicht einmal beweisen ob das Absolute überhaupt existiert - dann kann es per Definitionen nicht zwei verschiedene ,,absolute Wahrheiten“ geben. Denn nur im Relativen gibt es verschiedene Standpunkte. Von der Gnosis der Wüstenväter über das Samadhi der Yogis im Himalaya und dem Satori der Zen-Buddhisten bis zur ,,Gipfelerfahrung“ der humanistischen Transpersonalen Psychologie muß dann die Erfahrung der Erleuchtung immer dieselbe sein - Zwar immer zutiefst persönlich und in ihrer Formulierung von Kultur und Sprache geformt, aber doch dieselbe.

  ,,Der Zustand der direkten Erfahrung des Geistes jenseits aller Dualität führt zur Befreiung. Es ist gleich welcher Name leicht hin dafür gegeben wird. Der wahre Geist ist Eins und außer ihm gibt es nichts. Dieser einzige Eine Geist ist ungeschaffen und unbedingt. Nichts kann sonst erkannt werden“, formulierte Padmasambhava im 8.Jahrhundert,  der in Tibet den Buddhismus einführte und dessen meditative Verwirklichung allein ganze Heere bezwang.

 

 

Was ist ein Enlightenment Intensive?

 Ein ENLIGHTENMENT INTENSIVE ist ein 3- oder 14- tägiges Exerzitium, das als einziges Ziel hat, in seinem Verlauf eine direkte Erfahrung von Wahrheit oder Erleuchtung zu ermöglichen. Dies wird ermöglicht durch die Konzentration auf eine Schlüsselfrage. Viele Weise haben die Frage ,,Wer bin ich?“ als den Königsweg zur Erleuchtung beschrieben.

So sagt auch Nisargardatta Maharaj:
"Gib alle Fragen auf, ausser der einen,
Wer bin ich"

In seiner strengen Struktur, die an das ZEN-Sesshin angelehnt ist, arbeiten die Teilnehmer 3 Tage lang ausschließlich mit einer der Fragen :

Wer bin ich?  
Was bin ich?  
Was ist Leben?  
Was ist ein Anderer?

in einem Wechsel zwischen Kontemplation und Kommunikation. Obwohl naturgemäß viele Parallelen zu östlichen Übungswegen bestehen, ist das Enlightenment Intensive ein westlicher Weg der Wahrheit, da er von der Befindlichkeit und Geistesart des Menschen mit europäischem Kulturhintergrund ausgeht. Deswegen wird der östliche Koan mit westlichen Kommunikationsmethoden verbunden und in eine Struktur gesetzt, die den ganzen Einsatz jedes Teilnehmers fordert. So entsteht ein innerer Raum, der diese Erfahrung erst ermöglicht. Im Intensive wird davon ausgegangen, daß die Wahrheit, wenn auch absolut, so doch nicht abstrakt ist. Da im Zustand direkter Erfahrung Subjekt und Objekt, Frager und Frage verschmelzen, kann die Wahrheit zwar nicht objektiv Außen, trotzdem aber ganz konkret in jedem Selbst gefunden werden.

 

Ein großer tibetischer Meister, Patrul Rinpoche, sagt dazu noch radikaler:

"Wer dies am Morgen erkennt, ist am Morgen ein Buddha.

Wer dies am Abend erkennt, ist am Abend ein Buddha!"

  Auch wenn im Zen - Training 400 Koans über Jahrzehnte gelöst werden müssen, haben sich für Europäer diese 4 Fragen als die Wirkungsvollsten herausgestellt. In der Dyadenübung geht die Enlightenment Intensive - Methode neue Wege, indem sie neueste Erkenntnisse über Kommunikation zwischen Menschen und Bewußtsein verbindet. Dies unterstützt den Teilnehmer in der Sammlung auf seine Frage und bietet ihm auf einzigartige Weise die Gelegenheit, Vorstellungen und Einstellungen, selbstgesetzte Beschränkungen und Widerstände, Erinnerungen und Emotionen, sowie selbstgemachte ,,Bilder von der Wahrheit“ loszulassen.

Das befreiende Aussprechenkönnen der meditativen Erfahrungen läßt alles Alte sich schneller auflösen, als mancher erfahrene Meditierende meint: Das berühmte Gedankenkarussel, das jede Meditation zum Kleinkrieg werden läßt, hört so meist schon am 2. Tag ganz mühelos von allein auf. Denn, wie Meister Eckehart treffend und übereinstimmend mit der tibetischen Dzogchen- und Mahamudra-Tradition formulierte, 

 Wenn die Seele etwas erfahren möchte, dann wirft sie ein Bild der Erfahrung vor sich nach außen und tritt in ihr eigenes Bild ein.“

Doch leider verliert der Mensch sich dann in diesen Projektionen und gibt ihnen eine eigenständige Realität, die ihn dann im Banne hält! In der Dyadenübung gelingt es diese falschen Identifikationen ohne Wertung anzuschauen und in der Präsenz liebevoller Achtsamkeit zuzugeben. Dabei erkennen wir auf ganz natürliche Weise im Spiegel des Gewahrseins die Anhaftung, die uns mit diesen Projektionen verknotete – und wie von selbst löst sich was illusionär war auf und unsere innewohnende Wahrheit erscheint ungehindert.  

Meister Gampopa drückt dies so aus:

„Die Natur des Geistes ist das Absolute. Die  Erscheinungen sind das Licht des Absoluten: Diese beiden entstehen gleichzeitig und sind so unzertrennlich wie Sandelholz  und der Duft von Sandelholz..(oder die Sonne und das Sonnenlicht).  

Weil das Licht des Geistes  die Natur aller Dinge ist, löst sich – sobald du die Natur des Geistes verstehst – dein Gefesseltsein von selbst. “  

 

Wenn das erste Ziel ist, aus der normalen Welt von Widersprüchlichkeiten und Polaritäten in die Einheit mit der absoluten Wahrheit durchzubrechen, so ist der langfristige Zweck eines Intensives, diese Erfahrung von Erleuchtung auf mehr und mehr Bereiche unserer relativen Welt der Alltäglichkeiten zu übertragen und greifbar werden zu lassen. In diesem Prozeß stellen wir häufig staunend fest, daß unser Kampf so schwer war, weil wir die Wahrheit, so wie sie ist, zu bekämpfen versuchen. Fortgesetzte Übung gibt uns den Raum zu erleben, wie sich all die Fragen, Zweifel und Ängste, die uns die Wahrheit verstellen, von selbst auflösen.

Ramana Maharshi beschreibt diesen scheinbar spontanen Selbstfindungsprozeß:

,,Nur durch die Frage, ,,Wer bin ich?“ gibt der Verstand das Intellektualisieren auf. Wie der Stock, mit dem man ein Feuer schürt, selbst verbrennt, so löst sich am Ende die Frage ,,Wer bin ich?“ auf und führt zurück zu der Quelle des Selbst.“

 

Woher kommt das ENLIGHTENMENT-INTENSIVE?

  Trotz aller Anklänge an die geistige Tradition Asiens entstand das Enlightenment Intensive jedoch erst vor relativ kurzer Zeit in der westlichen Welt. Es wurde erst 1968 von dem amerikanischen Physiker Charles Berner entwickelt. Berner, der zunächst an der Entwicklung von Lasertechnologie gearbeitet hatte, sah die Zerstörungspotentiale und zog sich aus der Forschung zurück, um mit den ersten in Amerika lebenden japanischen und tibetischen Meistern ZEN und DZOGCHEN zu studieren.

Schliesslich erhielt er die Übertragung einer indischen Linie des Ati-Marga, die Sahajiya-Meditation, die sich in Indien nach dem Einfall der islamischen Zerstörer des Buddhimus unter den Yogis der Nathas erhalten hatte. Während eines Retreats ,,sah“ er wie östliche Kontemplation mit westlicher Bewußtseinsarbeit verbunden werden könnte. Er lud daraufhin 26 Menschen zu einem experimentellen Retreat in die Mohave-Wüste in Kalifornien ein. Unter Zeltbahnen und in Bretterverschlägen wurde eifrig die neue Methode geübt und löste so viel Begeisterung bei den Teilnehmern aus, daß sich alle entschlossen weiter zu machen. Daraus entwickelte sich das ENLIGHTENMENT INTENSIVE.

In Deutschland wurde das Enlightenment Intensive in zwei Wellen eingeführt. Zunächst in den 70er Jahren von den US-Amerikanern Becky Coble und Jeff Love, den Autoren des BucheQuantengötter". Sie bildeten jedoch keine Schüler aus und als sie nicht mehr nach Deutschland kamen, gerieten Intensives wieder in Vergessenheit

Anfang der 80er Jahre wurde dann der Freiburger Atemlehrer Karl Scherer als erster Deutscher in der letzten von Charmes Berner geleiteten Ausbildung aufgenommen und nach bestandenen Prüfungen formell als Meister anerkannt. Er inspirierte eine Reihe heute bekannter Leiter, wie Nana Michael, München oder Werner Plate, Aachen und führte dann zusammen mit Dickinson L. Noyes die erste europäische Ausbildung für Leiter durch. Seitdem finden Enlightenment Intensives regelmäßig in vielen Städten und Zentren statt.  

 Wie ist der Verlauf eines ENLIGHTENMENT INTENSIVE?

 Natürlich ist auch für termingeplagte moderne Mitteleuropäer die Erleuchtung nicht in Pillenformat mühelos erhältlich. Deswegen werden in der kurzen Zeit eines Intensives radikal all die Dinge ausgeschaltet, die normalerweise unsere Wahrnehmung der Wahrheit verstellen. Alle Regeln und der gesamte Tagesablauf verstärken sich jedoch selbst, wenn der Teilnehmer erkennt, daß die Anstrengung lohnt und der Prozeß immer spontaner wird. Dieses erst mühselige Suchen wird in einer der schönsten Stellen des Neuen Testaments beschrieben:

  Jetzt schauen wir in einen Spiegel / und sehen nur rätselhafte Umrisse / dann aber schauen wir von Angesicht zu Angesicht / jetzt erkenne ich unvollkommen / dann aber werde ich durch und durch erkennen / so wie ich auch durch und durch erkannt worden bin.“ (N.T., Kor. 13,12)

Ein 3-tägiges Intensive beginnt normalerweise Donnerstag Abend gegen 19:00 Uhr und endet am Sonntag Abend. Am 1. Abend findet eine Einführung mit einem Vortrag und Einzelgesprächen statt. Am nächsten Morgen wird um 6:00 Uhr begonnen. Von da an geht der typische Tag eines Intensives von 6 Uhr morgens bis 23:45 Uhr abends. Es finden täglich 12 Dyaden-Übungen im steten Wechsel mit Geh-, Arbeits- sowie Stillen- Meditationen statt. Auch die Mahlzeiten werden schweigend, gemeinsam, in einer meditativen Haltung eingenommen. Aufgelockert wird der anspruchsvolle Rahmen durch Ruhephasen und leichte Körperübungen. Paradoxerweise führt die strikte Disziplin dazu, daß jede geistige Verhaftung und jede Sackgasse und jeder tote Winkel zum Teil der Übung wird und den Prozeß voranträgt.

„Auch wenn das Absolute nicht durch den Verstand erfahren werden kann, führt  die Frage

,,Wer bin ich?“

zur direkten Erfahrung des SELBST,wie der Geruch einen Hund zu seinem Herrn führt.“,

wie Ramana Maharshi formulierte.

 

   

 An wen wendet sich ein ENLIGHTENMENT INTENSIVE?

 In einem Intensive suchen Menschen aller sozialen Schichten und Altersgruppen, und jedweder religiösen und philosophischen Überzeugung die Wahrheit jenseits von Konzepten und Glaubenssätzen. Wichtig ist nur, daß sie das leidenschaftlich und aufrichtig tun. Ein Intensive will jedoch keine Therapie und kann auch kein Therapieersatz sein. Aber jeder durchschnittlich physisch und psychisch gesunde Mensch ist den Anforderungen gewachsen.

Die Methode ist grundsätzlich frei von jeder Bindung an eine bestimmte religiöse oder weltanschauliche Doktrin und lehrt in ihrem Verlauf keine Glaubenssätze, metaphysische Systeme oder bestimmte Lebensauffassungen. Deswegen ist das Intensive für Anfänger und Fortgeschrittene, Skeptiker und Sucher, Atheisten und Anhänger jedweder religiösen Gemeinschaft gleich wertvoll. Die Methode verlangt allerdings von den Teilnehmern/Innen vorbehalts - und vorurteilslos für sich selbst die Erfahrung der Wahrheit aus erster Hand zu suchen.

Der historische Buddha, Shakyamuni Gotama, sprach schon zu seinen Anhängern: 

,,Oh Mönche, glaubt keiner Autorität und fremden Meinung, sondern seht für Euch selbst.“

 

Und an anderer Stelle ergänzt er:

»So suchet denn eure Rettung und eure Zuflucht in euch selbst und nirgends sonst, lasset die Lehre eure Rettung und eure Zuflucht sein und nichts sonst!«

 

Welche Schwierigkeiten kann man erwarten?

 Nicht umsonst isolierten sich Wahrheitssucher und Yogis, Mönche und Eremiten in Klöstern und Einsiedeleien in Wäldern, Wüsten und Bergeinsamkeit, um ihre Konzentration durch keine Ablenkung stören zu lassen. Nur weil moderne Menschen kaum mehr als 72 Stunden oder 14 Tage am Stück für die Wahrheitssuche aufbringen können, heißt das nicht, daß es für sie leichter wird. Das Ausmaß der Schwierigkeiten, die es zu bewältigen gilt, ist für jeden Menschen gleich. In einem Intensive geht deshalb ein jeder den ganzen schmerzhaften Initiationsweg nur schneller und deswegen dichter.

Die rigorose Fragestellung und der strukturierte Tagesablauf konzentrieren einfach alle in uns angelegten Konflikte und beleben ungelöste Lebensfragen. Im Verlauf eines Intensives geht ein Suchender durch alle Höhen und Tiefen, die in Ihm selber liegen. So schmerzhaft dies auch sein mag, führt kein anderer Weg zur Wahrheit als durch uns selbst! Am schwierigsten ist es dabei Anhaftungen an alte Konzepte und falsche Selbstbilder aufzugeben.

  Bodhidharma antwortete dem größten Gelehrten Chinas, als der um Unterweisung bat:

,,Zu üben was am schwersten ist und loszulassen woran man am meisten hängt,  ist der Weg!“

Der Gelehrte war beeindruckt und wurde zum ersten Zen-Schüler der Geschichte.  Es kann sein, daß während eines Intensives ein ganzes Leben nochmals abläuft, bestehende Konflikte durchsichtig werden und sich manchmal auch auflösen oder latente Krisen sich zuspitzen und starke Frustrationen auslösen. Aber auch Zustände großer Freude, gelassener Heiterkeit oder Phasen tiefster geistiger Einsichten können im Verlauf auftreten. Für den, der sich daran festzuhalten versucht, werden auch sie zum Hindernis

Je näher der Mensch der direkten Erfahrung kommt, um so stärker wird der Konflikt zwischen bestehenden religiösen / weltanschaulichen Glaubenssätzen und der Möglichkeit einer - von vielen als tabuisiert empfundenen - direkten Erfahrung der Wahrheit. Auch metaphysische Spekulationen werden Hindernis und Ersatz für die direkte Erfahrung. Hier erweist sich ein Satz von Ramana Maharshi als zutreffend:

,,Die Frage ,,Wer bin ich“, ist die direkteste Methode der Selbsterkenntnis. Wer sie annimmt, braucht sich keine Sorgen mehr um Kundalini, Aura oder Chakras zu machen.“

Das schwierigste Hindernis jedoch ist die Befürchtung des Menschen, für die Erfahrung der Erleuchtung zu klein, zu schwach oder unwürdig zu sein. Oder schlimmer noch, daß eine solche Erfahrung den Suchenden aus der Bahn seines Lebens wirft Auch wenn niemand anderer, als man selbst, diesen Zweifel lösen kann, ein Wort zum Trost: Der Zustand der direkten Erfahrung der Wahrheit bringt auch die Fähigkeit mit sich, damit im Leben umgehen zu können. Und noch niemand hat sich über diese Erfahrung beschwert, wenn er sie erst einmal erlebt hat. Daß das Problem jedoch nicht neu ist, kann man einem mittelalterlichen japanischen Text von Dogen Zenji, aus dem Shobo Genzo entnehmen. Hier steht:

  ,,Die Erleuchtung zu erlangen ist in etwa wie das Spiegeln des Mondes im Wasser.
Der Mond wird nicht naß und das Wasser nicht zerrissen. Obwohl der Mond riesig ist, findet er Platz in einer kleinen Pfütze. Und so wie der Mond das Wasser nicht zerreißt, zerspringt der Mensch nicht durch Erleuchtung, und so wie das Wasser dem Mond keinen Widerstand entgegenbringt, so gibt es auch kein Hindernis im Menschen, das die volle Erleuchtung verhindern könnte“.

  

Welche Resultate kann man erwarten? 

Auch wenn Erleuchtung sicher eine noble Sache ist, wird der heutige Mensch meist doch erst einmal wissen wollen: ,,Was habe ich denn davon?“ Hilary Sinclair schreibt in ,,Self and Society“ ,,Das Enlightenment Intensive hilft mehr auf dem Weg zur Ganzheit, als alles, was ich sonst kenne.“ Und Jacques de Panafieu äußert in der französischen Zeitschrift „Psychologie“ folgende Meinung:

,,Das Enlightenment Intensive erscheint unter all den Methoden der Selbsterkenntnis, die heute der humanistischen Psychologie zugeordnet werden, als die exakteste, die rigoroseste und die wahrhaftigste.“

Aber nicht nur im geistigen Bereich berichten Absolventen Erstaunliches. Auch physische Leistungsfähigkeit und Reaktionsgeschwindigkeit verbessern sich. So sagte Peter Ralston, der erste nichtasiatische Sieger der Kampfkunst - Weltmeisterschaften in China 1978: ,,Enlightenment Intensives sind sehr rein und sehr wirkungsvoll. Über das was sie für mich bewirkt haben, kann ich nicht genug sagen. Sie haben mir gezeigt, was ich bin und mir wurde bewußt, was Andere wirklich sind. Als Resultat davon hat sich mein Ansatz in der Kampfkunst völlig verwandelt und meine Fähigkeiten nahmen drastisch zu.“

Kein Wunder, daß die Zen Übung so populär bei den japanischen Samurai war. Überlebte doch paradoxerweise rein empirisch häufig derjenige das Duell, der zuvor schon den ,,Ich-Tod“ gestorben war. Über die Jahre hat sich aus der Erfahrung vieler Teilnehmer gezeigt, welche Resultate man erwarten kann. Viele berichten, daß auch ohne ,,Satori“ die Teilnahme an einem Intensive sich im alltäglichen Leben so auswirken kann:

- klarer die eigenen Lebensziele zu erkennen  
- sich schneller und geradliniger darauf hin zu bewegen  
- offener für Andere und kontaktfähiger zu sein  
- mehr Geduld und Verständnis aufzubringen  
- auch von Anderen besser verstanden zu werden  Während tiefere Stufen der Selbsterkenntnis   und die direkte Erfahrung der Wahrheit dazu führen können:  
- sich im ganzen Leben mit der Aufrichtigkeit und Integrität zu zeigen,die dem eigen ist, der in Harmonie mit sich selbst ist.  
- Aus sich selbst heraus zu wissen was richtig und nötig ist, und die   Kraft und Autorität in sich zu spüren, es auch zu tun.  
- Das eigene Leben aus der inneren Freiheit zu gestalten, anstatt aus Zwangsläufigkeiten und Umständen bestimmt zu werden. Mut zur Liebe zu finden.

       

„Die Liebe sagt mir, daß ich Alles bin.

 Die Weisheit sagt mir, daß ich Nichts bin.

 Und dazwischen strömt mein Leben!“

                                               Nisargardatta Maharaj

Jedoch gibt es keine Garantie für diese ,,direkte Erfahrung“. Das Absolute ist unbedingt und läßt sich nicht bestimmen. Mit aller Intensität und auch gutem Willen läßt die Erleuchtung sich nicht zwingen. In letzter Konsequenz ist es immer Gnade, die uns die Wahrheit offenbart. Wir können und müssen den langen Weg bis zur ,,Pforte“ ins Land der Wahrheit selber gehen und auch selbst an klopfen, doch geöffnet wird sie von der anderen Seite.

 So erleben zwar rein statistisch über 25% der Teilnehmer eines Enlightenment Intensives eine solche direkte Erfahrung, doch wer daraus rein rechnerisch den Schluß zieht, an vier Intensives teilzunehmen, biete eine Sicherheit, täuscht sich natürlich sehr. Allerdings, wer ,,seinen Kelch gefüllt“ sehen möchte, der muß ihn zuvor ergreifen und hochhalten. Wessen Kelch umgedreht auf der Tischplatte ruht, dem kann aller Segen dieser Welt nicht helfen. Aber ungeachtet, ob einen nun die Gnade einer ,,direkten Erfahrung der Wahrheit“ widerfährt oder nicht, erfüllt sich auf dem Weg dorthin ein wesentlicher Zweck des Lebens.

Die Zunahme an Gewahrsein, Kontakt, Liebe und Mitgefühl ist in sich selbst schon Erfüllung und zugleich Fortschritt auf dem Weg. Tagores große Vorbilder - die Sekte der mystischen Sänger der Baul - drücken, dies in einem ihrer Aphorismen so aus:

„Das was IST wird durch Liebe mit dem was NICHT IST verbunden.“

 

   

Karl Scherer nahm an der letzten, von Charles Berner selbst geleiteten, Ausbildung teil und wurde 1982 als erster Deutscher zum Meister des ,,ENLIGHTENMENT INTENSIVES“ autorisiert.  

In Deutschland ist er vor allem als Begründer des INTUITIVEN ATMENS bekannt, das er 1979 nach mehrjährigem Training durch nordamerikanische Medizinmänner entdeckte. Um Menschen in helfenden Berufen in dieser Methode auszubilden, wurde er weltweit von Zentren, Kliniken und Universitäten als Gastlehrer eingeladen.

Seit dem leitet er, neben Seminaren und Ausbildungen im Intuitiven Atem, vor allem Meditations-retreats und Exerzitien in Europa, Asien, den USA und Australien. Mehrfach bereits - seines ökumenischen Ansatzes wegen - auch in christlichen und buddhistischen Zentren  und Klöstern.

Bis heute ist er einer der wenigen Weißen, der von indianischen Medizinmännern durch alle Stufen der schamanischen Riten geführt wurde und als Leiter von Heilzeremonien anerkannt ist.

  Einen wesentlichen Einfluß auf seinen Ansatz haben längeren Retreats und Aufenthalten buddhistischen und hinduistischen Klöstern in verschiedenen asiatischen Ländern wie dem Sri Ramana Ashram oder Namdrol Ling in Indien, Shechen Ling und Triten Norbutse in Nepal , sowie verschiedene Viharas in Ceylon und Thailand oder dem Tassajara Zen Kloster in den USA.

 Vorrangig waren dabei Studien und Retreats unter Anleitung von S.H. Dilgo Khyentse Rinpoche, dem damaligen Oberhaupt der Nyingma oder Alten Schule Tibets und Tutor des Dalai Lama und Tulku Urgyen Rinpoche .

Unter der Anleitung von Lopön Tenzin Namdak Rinpoche, Chhimed Rigdzin Rinpoche, Bhakha Tulku Rinpoche und Schülern von S.H. Dilgo Khyentse Rinpoche die Parallelen zur tibetischen Dzogchen Meditation herausgearbeitet und plädiert eine lebenslange Übung im Geiste Ramana Maharshis.

                             

   1995 setzte ihn Urgyen Tulku Rinpoche als Acharya in der Nyingma-Tradition des tibetischen Buddhismus ein.  

 

 

         



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