Udumbara

Ich habe viele Dinge zu bedenken und zu diskutieren - darüber, wie in diesem neuen Zeitalter ein wirklich nützliches Leben zu führen ist. Wir möchten gerne Vorschau halten und das nächste Jahrhundert willkommen heissen.

Denkt immer daran, womit man beginnt. Wenn wir sitzen … Sitzen ist immer zwecklos, wisst ihr. Offensichtlich berühren wir mit unserem Körper das Sitzen, als würde man den Daumen auf Papier drücken: „Das ist es“. Körper fühlt sich so an: Raumzeit berühren, Materie in Raumzeit erzeugen – so fühle ich mich, wenn ich sitze. Und je stiller das Sitzen wird, umso mehr fühlt es sich an wie Anhalten der Zeit … Zeit hält an.

An diesem Punkt wird dieser Körper nicht mehr unterschieden, aber tatsächliche Dinge, die sich wie Körper anfühlen, erstrecken sich überall hin. Und nicht in der eingefrorenen Art von Verwirklichung, sondern in einer sehr machtvollen Gegenwärtigkeit des Gefühls, dass du wirklich da bist als das, was du bist, was die Dinge sind, ohne jedes einzelne Ding zu benennen. Selbst das, was du nicht bist, ist ebenfalls da. Was ich meine ist, das Ding, das die Erscheinungen enthält, die Erscheinungen erfährt als dein eigner Körper, ist auch du. Du kannst sagen, „Zeit/Raum“ oder „Raum/Zeit“ oder einfach „Leere“, oder etwas in der Art. „Phainomenon/Noumenon“ zusammen, ist es da.

Eine leichte Regung des Geistes erzeugt viele Einsichten aus vergangenen Erfahrungen, aus Bildern, die du in die Zukunft hinein entworfen hast: Vorstellungen über die gegenwärtige Beziehung aller Leute und Situationen in dieser Gegenwart. Es gibt kein Unterscheiden zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft - nur diese ungeheure Dynamik dessen, wo du lebst, was da ist … Alles als du selbst existierend.

Aber dieser Körper ist in solcher Zeit ein sehr subtiles Ding, ständig auf diesen Fleck des Sitzens drückend. Dogen Zenji sprach: „Den Weg Buddhas zu meistern heisst, dein eigenes Selbst zu meistern, zu klären. Dadurch kannst du das Eigen-Selbst aller Anderen klären“. So erwähnte er, dass der Fokus darauf liegt, die Angelegenheit unseres eigenen Lebens und Todes, von Geburt und Tod zu klären: dieses Thema zu leben.

Das Thema liegt so nahe; so, wie es auf dich weist. Wenn du nach außen zeigst, können wir ganz gut studieren, doch wenn du beginnst, auf dich selbst zu zeigen, ist es nahezu unmöglich. Ein frisches Auge wird nach außen geöffnet, also kann dasselbe Auge nicht genutzt werden, das innere Reich von euch selbst zu sehen. Wir wenden uns um und machen unsere innere Welt zum äußeren Objekt und analysieren, was geschieht - was gewöhnlich Psychologie oder religiöse Studien genannt wird. Aber diese Art des Studiums, mit einem objektivierten Selbst, ist nicht, was wir sind. Also, ein sehr wichtiger Punkt ist, bei dem Selbst zu sein, das die Analyse jedes Aspektes zurückweist.

Gary Snyder sprach von genau dieser Art Situation als dem Versuch, einen Avocadosamen zu greifen. Er entgleitet … du kannst ihn nicht greifen! Es ist die amerikanische Version des berühmten Gemäldes Jagd auf den schlüpfrigen Wels mit der Kürbisflasche. Habt ihr dieses Bild gesehen? Ein junger Mann, ein haariger, Hippie-artiger Mensch, jagt einen Wels mit einer Kürbisflasche, die eine ganz klitzekleine Öffnung hat! Unmöglich, diesen Fisch zu fangen! Japanische Welse haben riesige Köpfe und lange, lange Bartfäden, und ein Schwanzende, das ganz winzig wird. Der ganze Körper ist so glitschig und schlüpfrig. Die Zähne sehr, sehr scharf wie eine Säge. Der Wels lebt gewöhnlich im Teich. Wir nennen ihn „Meister des Teichs“. Wenn ihr versucht, ihn zu fangen, verursacht das ein Erdbeben! Lasst ihn in Ruhe! Wenn ihr die Wahrheit sucht, verursacht das ein Erdbeben! In dieser Weise, sagen manche Biographen, erscheinen viele mächtige Leute. Wenn sie ihre Aufgaben beenden und vergehen, treten immer Erdbeben auf. Doch nicht die Erde bebt, es ist der schlafende Geist der Menschen.

Blüten – Jahreszeit der Blüten – nicht die normale Jahreszeit der Blüten, sondern Blüten ausserhalb der Saison. Sie blühen, wenn solche Menschen erscheinen und verschwinden, und das, was die Empfindung (des Erdbebens) im Geist der Menschen ist - schaut diese Art Blüten, sie sind Geist-Blüten von Menschen, die erscheinen. Wir nennen diese Blüten-des-Geistes „Udumbara“. So blühen sie alle fünfhundert Jahre. Und in dieser Gegend hier haben wir fünfhundert-Jahres-Treffen.

Jikoji News, Sommer 1997

 

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